Schloß Fantaisie und die letzte Bayreuther Prinzessin

Aufsatz von Karl Müssel

Teil 2

 

Schloß und Garten Fantaisie am Ende des 18. Jahrhunderts

(Anonyme Federzeichnung, Historischer Verein für Oberfranken)

Schloß und Garten Fantaisie

Erst von 1770 an ist für Schloß und Park Donndorf der Name "Fantaisie" belegt. Am 17. Mai dieses Jahres unterzeichnete die Herzogin eine Abrechnung über ihren Hofstaat mit "Signatum Fantaisie. Friederique". Noch im gleichen Jahr wurde auch "Ihro Herzoglichen Durchlaucht Verwaltungsamt" eingerichtet, das die für das Bauwesen und für das "Hochfürstliche Schloß zu Donndorf, Fantaisie genannt" angestellten Personen beaufsichtigte. Als Amtmann fungierte der Förster Johann Georg Lunkenbein. Bauinspektor war Johann Spindler. Das Schloß verwaltete eine Frau namens Clara Christina Spieler; außerdem gab es noch einen Brauverwalter und einen Braumeister, der zugleich Hofbüttner war, einen Hofgärtner und einen Hofschreiner. Von den Briefen, die Friederike an Friedrich den Großen schrieb, trägt nur ein einziger (1774) die Ortsangabe Fantaisie.

Schloß und Garten, ihr Besitz und ihre kleine Welt, hatten von Friederike einen Namen erhalten, der als dritter französischer Schloßname zu den schon vorhanden Anlagen ihrer Eltern, zur Eremitage und Sanspareil hinzukam. Sicher ein Modename dieser Zeit wie Sanssouci, Monrepos und andere, doch auch ein Stück der Selbstverwirklichung, die Friederike hier suchte und auch fand. Der Name war bereits ein Programm. Das Wort "Fantaisie", das im Deutschen Vorstellungs- und Einbildungskraft, Erfindungsgabe und Einfallsreichtum umschreibt, stand nach den Angaben aus Nachschlagwerken des 18. Jahrhunderts auch für "Lust", "Laune", "Grille", "Geschmack", "Eigenwilligkeit", "Urwüchsigkeit", ja auch für "sprudelnde Lebendigkeit". An all das muß man wohl auch bei Schloß Fantaisie denken. Es war für Friederike das Zauberwort für ihren Lieblingssitz und blieb, soweit wir erkennen können, unter vergleichbaren Schloßanlagen ein Unikat.

Eine erste Beschreibung von Schloß und Garten hat 1774 der Sohn des schon erwähnten Christoph Joachim Freiherrn von Haller in seinem Tagebuch festgehalten. Neben dem großen Saal beeindruckten ihn offensichtlich die Paradezimmer, das Musikzimmer mit vergoldetem Stuck, Porträts berühmter Musiker und Trophäen von Musikinstrumenten. Links des Saals war das mit rotem Damast tapezierte Audienzzimmer, dann ein Schlafzimmer mit grünem Damast, anschließend das Porzellankabinett, in dem auf vergoldeten Konsolen Porzellanfiguren und -gruppen aus Dresdner, chinesischem und japanischem Porzellan zu sehen waren. Dann kam das Schreibkabinett mit seinen Einlegearbeiten. "Der Grund ist Nußbaumholz, in welchem Landschaften aus allerlei gefärbten Hölzern eingelegt sind." Das war das berühmte Spindlerkabinett. Neben diesem befand sich die kleine Bibliothek der Herzogin. Ihre Privaträume lagen aber im Erdgeschoß, wo sie auch ihre Kammerfrauen unterbrachte. Hier hatte sie ihr persönliches Wohnzimmer und ihr mit grünem Damast behängtes Schlafzimmer, in dem neben einem Bild ihrer Mutter auch ein Porträt Friedrichs des Großen hing. Vom benachbarten Zimmer konnte man unmittelbar in den Garten gelangen.

Hallers Beschreibung des Gartenbereichs entspricht im wesentlichen der erhaltenen Federzeichnung "Fantaisie" im Besitz des Historischen Vereins für Oberfranken. Angesprochen wurde das Wichtigste über die neue Anlage mit ihren Terrassen, Alleen, Bosketts und Laubengängen. Auch die zwei Küchengärten wurden nicht vergessen. Kaskade und Treppen waren fertiggestellt, das Bassin hatte seine Fontäne und die Figuren von Neptun mit den Seepferden. Zutreffend war Hallers Beobachtung, daß der Platz für diese Gruppe eigentlich zu klein sei. Diese Skulpturen waren ursprünglich für den Bayreuther Hofgarten bestimmt und wurden erst auf Friederikes Anordnung hin nach Donndorf gebracht. Auch die Gartengebäude sind in Hallers Beschreibung und auf der Zeichnung leicht zu finden: das Theater oder "Teehaus", aber auch ein längst verschwundener Pavillon in der Nähe des Neptunbrunnens. Dieser war absichtlich als "prächtige Ruine" errichtet, besaß aber im Innern einen kostbaren Speisesaal und wertvolle Kabinette. Auch eine chinesische Laube durfte nicht fehlen. Kein Wort wurde dagegen auf die alte Donndorfer Linde verschwendet, die in der Nähe des Parkeingangs stand.

Der Garten, den Haller 1774 sah, war im wesentlichen noch die von französischer Gartenkunst beeinflußte Anlage östlich des Schlosses ohne die Umgestaltungen, die Friederike in ihren letzten Lebensjahren vornahm. Sie war die Initiatorin und treibende Kraft dieser Gartenkunstwelt, als Schloßherrin auch zugleich der lebendige Mittelpunkt. Es wird berichtet, daß sie den Park auch bedeutend vergrößerte. Überliefert wird auch, daß Friederike bei den Gartenarbeiten zuweilen selbst Hand anlegte, indem sie mit einem Schubkarren Erde heranfuhr oder wegschaffte. Solche Gartenarbeit gehörte angeblich auch zum Programm bei Einladungen, bei denen man "niedliche Handkarren" für die Gäste beiderlei Geschlechts bereithielt. Zu den Divertissements gehörten auch am Hofe Friederikes hauptsächlich Musik, Theater und Tanz. Nur die Jagd spielt für sie keine Rolle. Vom höfischen Bereich ging Friederikes Gartenwelt fast nahtlos in die Landschaft über, die ihr kleines Reich erst vervollständigte. Im Wiesengrund des Tales stand eine alte Mühle am Thalmühlbach. Dort befand sich ein kleiner Weiher. Da hier noch ein paar Bauern wohnten, konnte Friederike bei ihren Veranstaltungen manchmal auch die Landbevölkerung einbeziehen. Dazu wurde eigens Schweizer Vieh angeschafft. Auch dort, wo Haller in seiner Beschreibung "bloß Wald" notierte und lediglich "ein in Felsen gehauenes Zimmer" erkenne konnte, sorgte Friederike für eine zeitgemäße Umgestaltung. In ihren letzten Lebensjahren entstand hier ein "Eremitenhaft", das wegen seines mit einem Glocken versehenen Türmchens auch die "Kapelle im Holze" genannt wurde.

Nur andeutungsweise sind wir über die Bepflanzung des Gartens unterrichtet. Angekauft und gepflanzt wurden viele Obstbäume, neben den heimischen Apfelbäumen auch Orangen- und Pfirsichbäume. Für die Parkgestaltung verwendete man mehr als tausend Buchen. Eine Allee mit Kastanienbäumen wurde angelegt. 1791 konnte man bei einer Versteigerung feststellen, daß man für Fantaisie über hundert Pflanzen nordamerikanischer Herkunft erworben hatte. Ein Herzstück des Friederikeparks war der Rosengarten. Es versteht sich aber von selbst, daß Rabatten mit anderen Blumen nicht fehlten. Aus Böhmen und aus Stuttgart bezog man Rebstöcke. Der "Weinberg" am Hanggarten und Rebstöcke in den Zwickeln der Kaskade erinnerten an Sanssouci und waren vielleicht sogar eine bewußte, wenn auch bescheidene Nachahmung.


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Friederikes tragisches Ende