Historische Betrachtungen


 

1757

Das Lehen in Donndorf-Eckersdorf mit einem Renaissanceschloss (siehe Lüchau-Schloss) fiel an Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth zurück.

1761

Markgraf Friedrich traf den Entschluss zum Bau eines neuen Schlossgebäudes in Donndorf-Eckersdorf (Nähe Bayreuth).

1763

Elisabeth Friederike Sophie, Herzogin von Württemberg - das einzige Kind des Markgrafenpaares Friedrich und Wilhelmine - erhielt den Besitz und nutzte ihn als Sommerresidenz.

1765

Das neuerbaute Schloß Fantaisie war bezugsfertig. Als mögliches Vorbild für dieses Schloß diente die einstöckige römische Villa "Pamfili" in Florenz. Die Markgrafentochter Herzogin Elisabeth Friederike Sophie (* 1732) bewohnte es als Sommersitz bis zu ihrem Tode 1780. Der Ruhm von Friederikes Schönheit drang auch an fremde Höfe. Selbst Casanova beschrieb sie als "die schönste und musterhafteste aller deutschen Prinzessinnen". In der Liebe hatte die Prinzessin jedoch kein Glück. Mit 9 Jahren wurde sie bereits dem 13 jährigen Karl Eugen von Württemberg in Berlin vorgestellt und gleichzeitig verlobt. Im Jahre 1748 wurde in Bayreuth die Ehe geschlossen. Markgräfin Wilhelmine soll eigens für dieses Fest das Opernhaus in Bayreuth errichtet haben, um die große Anzahl von Hochzeitsgästen würdig empfangen zu können. Im Jahre 1756 trennte sich das Paar wieder.

Schloßbeschreibung aus: Haller v. Hallersteins Tagebuchaufzeichnungen (Gäste vom 20. bis 29. August 1774 in Schloß Fantaisie). Das Schloß war zu jener Zeit noch einstöckig, wies aber im Mittelbau mit dem großen Saal eine Erhöhung auf.

Der linke Flügel enthielt eine Galerie von wertvollen Ölgemälden und ein geräumiges Musikzimmer mit vergoldeter Stukkatur. Daran schlossen sich ein mit grünem Damast ausgeschlagenes Schlafgemach und eine Garderobe an. Neben dem in Weiß gehaltenen großen Saal befand sich das mit rotem Damast behängte Audienzzimmer. Das dann folgende Porzellankabinett war mit rotem Holz verkleidet, das goldene Leisten schmückten. Auf vergoldeten Konsolen standen kostbare Porzellanfiguren und Vasen aus Dresden, China und Japan. Hinter dem Porzellankabinett lag das Schreibzimmer. Die Möbel aus Nußbaumholz zeigten köstliche mehrfarbige Einlegearbeit. Der Nebenraum, die kleine Bibliothek, hatte Möbel und Vertäfelung aus Zedernholz mit vergoldeten Leisten.

Der rechte Schloßflügel enthielt die Wohnräume der Herzogin Friederike Elisabeth. Nach zwei Zimmern für die Kammerfrauen gelangte man in ein Vorzimmer mit Wachstuchtapeten. Dahinter lag das Wohnzimmer, in dem die Bilder des Markgrafen Friedrich und des Freiherrn von Frankenstein, Domprobst von Würzburg, hingen. Das mit grünem Damast tapezierte Schlafzimmer zierten die Bilder der Mutter Markgräfin Wilhelmine und des großen Oheims, Friedrich von Preußen. Vom nächsten Zimmer aus konnte man unmittelbar in den Garten gehen. Hinter diesem Raum lag das Marmorbad. Außerdem enthielt das Schloß noch einige Fremdenzimmer, sowie Wohnräume für die beiden jüngeren Hofdamen.

Das Schlossgebäude wurde wahrscheinlich nach einem Entwurf von Rudolf Heinrich Richter vollendet. Zwischen 1781 und 1782 war das Schloß herrenlos. Die Parkanlagen wurden durch den Oberforstmeister Obernitz notdürftig gepflegt.

 

1793

Das Schloß Fantaisie erlangte als Sommersitz des Herzogpaares Dorothea Friederike Sophie und Friedrich Eugen von Württemberg neue Bedeutung. Es wurde gründlich erneuert. Im ersten Zimmer glänzte unnachahmliches Rot (seidenes Rot aus Rußland) von Wänden, Kanapees und Stühlen. Das zweite Zimmer blendete in einem glanzvollen Grün. Im dritten Zimmer schmückte das unnachahmliche "Russische Papier" Wände und Kanapees, und schön geformte Stühle waren mit Blumen bestickt. Das "Russische Papier" zeigte grünende Bäume und auf diesen sitzende Vögel als treueste Nachahmungen der Natur. Für das vierte Zimmer entwarf ein unbekannter Maler das vorzüglichste Gemälde, das den Fall des Rheines bei Schaffhausen in der Schweiz darstellte (Schilderung: Ernst v. Reiche, 1795). Auch die Wasserspiele wurden instandgesetzt. Neu errichtet wurden u.a. Kaskade, Grotten, Friedenssäule, Gräberstraße, Katakombe, Pavillons und die aus Stein gehauenen Bänke. Die heute noch im Schloßpark sichtbaren Inschriften auf den Felsen stammen meist aus jener Zeit. Für Emigranten aus Frankreich war das Schloß eine Zuflucht.

 

1805

Großfürstin Anna von Russland gibt am 11. Juni 1805 einen Empfang und danach ein großes Fest auf Schloss Fantaisie. Das "ländliche" Fest wurde auf dem Sophienberg (südlich von Bayreuth) abgehalten.

 

1828

Das Schloß Fantaisie kam in den Besitz von Herzog Alexander von Württemberg (+ 1881), dem Enkel Herzogin Dorotheas. Er war mit Marie von Orleans verheiratet, sein Sohn Philipp mit Erzherzogin Maria Theresia von Österreich. Herzog Alexander verwaltete Schloß Fantaisie über ein halbes Jahrhundert vorzüglich und wurde auch von der Bevölkerung sehr verehrt. Er ließ 1850 das Schloß erhöhen, bepflanzte den Schloßpark mit vielen seltenen Bäumen, errichtete darin eine kleine Fasanerie und erbaute das heute noch neben dem Schloß befindliche Hotel Fantaisie, in dem im Laufe der Zeit viele berühmte Persönlichkeiten abstiegen, so z.B. König Ludwig II. im Jahr 1866 und Richard Wagner von April bis August 1872.

1850 - 1852 wurden auf der Südseite die Eckbauten und der Mittelteil erhöht sowie an der Nordseite zwei Türmchen angebaut.

1882

Des Herzogs einziger Sohn Philipp verkaufte das Besitztum an das Konsortium Feustel, Schwabacher, Eyßer in Bayreuth.

 

1895

bis 1898 betreute der preußische Forstassessor Ernst Hütterott aus Erfurt, das Schloß Fantaisie. Er hatte den Besitz am 19. November 1895 erworben und am 5. August 1896 mit 20 000 Mark Gewinn an den Oberleutnant a la suite im Mecklenburgischen Jägerbataillon Nr. 14, Martin de Cuvry aus Bonn, weiterveräußert.

 

1898

bis 1908: Herr de Cuvry nahm an der Fantaisie allerlei bauliche Veränderungen vor, so ließ er den 1793 errichteten Anbau an das alte Schloß wegreißen. Für die Parkverschönerung gab er ziemlich viel Geld aus. Er nahm Abschied mit dem Geständnis, daß er "sie blühend verläßt und hier stets glücklich war".

 

1908

bis 1928: Die Fantaisie geht am 2. März 1908 in den Besitz der Familien Schmidt-Oertel über, welche durch Abbau der berühmten Schieferbrüche in Lehesten (ehem. DDR) reich geworden waren - Dachziegeln, Schiefertafeln für die Grundschulen und Griffel stammten einst alle aus Lehesten.

 

1929

bis 1937: Schloß und Park kamen am 6. Juni 1929 wieder in adeligen Besitz. Fürst Edmund von Wrede und seine sehr reiche Gemahlin Edda, geb. Benitez y il Alvear, eine Argentinierin, erweiterten und verschönten das Schloß. Unter dem im Dritten Reich üblich gewordenen "freiwilligen Zwang" mußte er seinen Besitz mit allen Liegenschaften 1937 für einen Spottpreis an die Reichsverwaltung des NS-Lehrerbundes verkaufen und die wertvolle Inneneinrichtung räumen. Die Familie zog sich in Hotelzimmer bzw. nach Argentinien zurück.

Fürst Edmund von Wrede lies im Innern wesentliche Umgestaltungen vornehmen und das Mansarddach ausbauen.

1937

bis 1945: Der NSLB unter seinem Gauleiter Wächtler baute am 31. August 1937 das Schloß mit großem Kostenaufwand völlig um und richtete es neu ein für Schulungen von Lehrern und Erziehern aus dem "Großdeutschen Reich", die dort in mehrwöchigen Kursen in NS - Weltanschauung und Parteiarbeit unterrichtet wurden. Schloß und Park waren während dieser Zeit für die Öffentlichkeit gesperrt.

Während dieser Zeit wurden gravierende Eingriffe im Schloss vorgenommen: Entfernung historischer Fußböden und Stuckdecken, Einbau zahlreicher Zwischenwände, Zumauerung von Tür- und Fensteröffnungen, nicht fachgerechter Einbau von Sanitäranlagen, Innenausbau im Stil des Dritten Reiches.

 

1945

Die amerikanische Armee rückte, von Bamberg kommend, nach Bayreuth vor. Das herrenlos gewordene Schloß fiel kampflos in ihre Hände. Mancher bereicherte sich an der wertvollen Einrichtung und schleppte davon, was ihm in die Hände fiel. Die amerikanische Besatzung, die sich hier bald einnistete, tat ein übriges. Am Ende war das Schloß völlig ausgeplündert, sogar die elektrischen Leitungen waren entfernt worden (bis 1948 diente das Schloss als Sanatorium der amerikanischen Besatzungsmacht).

 

1948

Das Schloss kam in staatlichen Besitz. Das Bayerische Rote Kreuz pachtete das Gebäude und betrieb ein Tbc-Krankenhaus.

1961

Schloss und Park Fantaisie wurden von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen übernommen und später verpachtet. Eine Photofirma aus Nürnberg wurde Untermieter und schulte im Schloss und Teepavillon ihr Verkaufspersonal.

 

1988

Aus Sorge um den Erhalt von Schloß Fantaisie, das dem langsamen Verfall preisgegeben war, gründeten engagierte Bürger der Großgemeinde Eckersdorf den "Förderverein Schloß Fantaisie".

 

1991

Nach den Plänen der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen soll das Schloß zu einem gartengeschichtlichen Museum umgestaltet werden. (Vertrag zwischen dem Freistaat Bayern und Landkreis Bayreuth, Bezirk Oberfranken u. Gemeinde Eckersdorf v. 15. März 1991).

 1994

Der Gartenpavillon wurde instandgesetzt: Abbruch des entstellenden Bühnenanbaus aus dem Jahre 1937 und Rekonstruktion der dadurch fehlenden Nordfassade, statische Sicherung des Dachtragwerkes, Instandsetzung der Fassade und aller Fenstertüren, Instandsetzung des Fußbodens, Erneuerung der Elektroinstallation, neutrale Farbfassung des Innenraumes. Die Maßnahmen konnten im vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen unter Leitung des Landbauamtes Bayreuth (bis 1995) abgewickelt werden.

1995

Eröffnung der ersten Ausstellung im restaurierten Pavillon ("Fantaisie - Rückblick und Ausblick") des Schlosses Fantaisie durch Finanzminister Dr. Georg Freiherr von Waldenfels.

 1998

Nach dreijährigem Umbau wird Schloß Fantaisie mit der Sonderausstellung "...von den schönen Gärten. Barocke Gartenkunst in Sachsen und Polen 1697-1763" durch Finanzminister Erwin Huber und Landrat Dr. Dietel offiziell eingeweiht.

2000

Das Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie wurde am 26.07.2000 durch den bayerischen Staatsminister der Finanzen Prof. Dr. Kurt Faltlhauser eröffnet und zeitgleich auch das weltberühmte Spindler-Kabinett der Bevölkerung vorgestellt. 


 

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